Samstag, 9. Dezember 2017 Liebe Gemeinde,
Euer Adventskalenderfredredaktor öffnet das heutige Türchen für die Cord-Baureihe L-29. Hinter dem ersten Türchen des diesjährigen Adventskalenderfreds versteckte sich ja das wunderschöne Hayes-Coupé, ein Einzelstück. Heute gibts Daten und Fakten zur Baureihe.

Cord war eine offiziell eingetragene Marke der Auburn Automobile Company, die diese Fahrzeuge auch herstellte. Auburn-Präsident Roy Faulkner war gleichzeitig Vizepräsident der Muttergesellschaft, der Cord Corporation und leitete die Marke Cord. Den Status der Marke kann man etwa mit jenem von Continental oder Imperial in den 1950er/60er Jahren vergleichen. Die Cord Corporation war eine reine Holdinggesellschaft, die bis zu 150 Unternehmen kontrollierte aber selber nichts produzierte.

Errett Lobban Cord (1894–1974)
Das erste Modell wurde ursprünglich einfach Cord genannt und später üblicherweise als L-29 bezeichnet. Die Idee ging von Errett Lobban Cord (1894–1974) selber aus. 1925 hatte er die Mehrheit an der Auburn Automobile Company übrnehmen können, die er zuvor innert kurzer Zeit saniert hatte. Im geichen Jahr führte er bei Auburn Achtzylindermodelle ein und begann mit der Planung eines Frontantriebwagens, für den 1926 erste Entwicklungsverträge aufgesetzt wurden. Um diese Zeit veranlasste er auch die Arbeiten an einem Prestigeauto, das 1929 als Duesenberg Model J erschien.




Die vier Werkskarosserien, gesehen von Cord selber: Sedan, Brougham, Phaeton Sedan und Cabriolet. Diese Bilder stammen aus der Verkaufsbroschüre von 1931.
E.L. Cord hatte bereits 1925 an den 500 Meilen von Indianapolis den Durant Special gesehen, einen von Harry Arminius Miller (1875-1943) für Cliff Durant (1890-1937, der Sohn des GM-Gründers William Durant) aufgebauten Rennwagen mit Frontantrieb. Cord war davon sehr beeindruckt. Im Herbst 1926 schloss er mit Miller eine Vereinbarung, welche den Bau eines Prototypen, die Nutzung des Frontantriebs-Patents für einen PKW, Millers Dienste als Konstrukteur und bei Bedarf die Nutzung von Millers Werkstätte in Los Angeles umfasste. Miller erhielt dafür monatlich US$ 1000,- und einen L-29.




Vier Werkskarosserien heute und restauriert: Nochmal Sedan, Brougham, Phaeton Sedan und Cabriolet.
Der L-29 war die Entwicklung eines Teams, dem im wesentlichen Harry Miller, Duesenberg-Flugmotoren-Ingenieur Cornelius Van Ranst (1892-1972), und die Auburn-Leute Herbert C. Snow (1886-1961), Alan H. Leamy (1902–1935) und John Oswald bestand. Van Ranst war der FWD-Experte, Snow der Auburn-MChefingenieur un Produktionsfachmann, Leamy der Chefdesigner (er entwarf die Front des Cord und des Duesenberg J) und Oswald war Designer und Karosserieingenieur.
Cord überstellte einen Auburn 8-88 aus aktueller Produktion als Versuchsträger an Miller nach East Los Angeles. Dort wurden im Sommer und Herbst 1927 die Anpassungen an den Frontantrieb vorgenommen und getestet. Das Fahrzeug erhielt die interne Bezeichnng L-27 und den für Miller typischen, fassförmigen Kühlergrill. Im November 1927 wurde es zu Duesenberg nach Indianapolis überführt und von einem Team von Duesenberg-Technikern unter der Leitung von Van Ranst und Snow für die Serienproduktion vorbereitet. Während einer von Cord persönlich vorgenommenen Testfahrt nahm diese eine Unebenheit etwas harsch - und alle vier Türen flogen auf. Esw passierte weiter nichts, aber Snow zeichnete das Fahrgestell neu. Bei dieser Gelegenheit erfand er wohl die X-Traverse; jedenfallsa erhielt er dafür ein Patent und der L-29 ist zumindest der ersre US-PKW mit einer solchen. Die vorderste Querstrebe entfiel, weil die Antriebskonstruktion auch als Element des Fahrgestells diente und zur notwendigen Stabilität des Rahmens beitrug.
Die Werkskarosserien des L-29 wurden von einem Designteam entworfen, dem Alan Leamy vorstand. Oswald entwarf wohl den Sedan, der davon abgeleitete Brougham stammte von Leamy. Leamy uznd George McQuerry Jr. vom Karosseriebauer Walter M. Murphy Co. in Pasadena CA entwarfen die beiden offenen Versionen. Gebaut wurden die Karosserien bei drei konzerneigenen Unternehmen, die auch für Auburn produzierten.



Die Technik des L-29: Gut erklärt im Katalog von 1920; Detail des Frontantriebs
Der Lycoming FD-298 ist vom Lycoming MD Achtzylinder abgeleitet. Der seitengesteuerte Reihenmotor mit fünffach gelagerter, ausbalancierter Kurbelwelle. Nicht nur infolge des Frontantriebskonzepts unterschied sich die Cord-Version in etwa 70 Teilen von jener für den Auburn 8-125. Die Leistung dieses Triebwerks war mit 125 bhp (92 kW) bei 3600 U/min für die Zeit ausreichend und brachte den rund 2 Tonnen schweren Wagen in 20 Sekunden auf 60 MPH (96 km/h). Der Hubraum betrug 4746 cm³ (289.6 c.i.), die Bohrung 83 mm bei einem Hub von 114 mm.
Das Triebwerk wurde um 180° gedreht eingebaut, sodass der Ausgang der Kurbelwelle vorne lag. Daran angekoppelt waren das Differential und die innen am Rahmen liegenden Vorderradbremsen. Gemäss eigenen Angaben war der L-29 das erste Serien-Automobil bei dem Motor, Getriebe, Differential und Vorderradbremsen zu einer Einheit verblockt wurden.
Diese Bauweise führte dazu, dass zwischen dem vorderen Abschluss der Karosserie mit der Kühlermaske und dem eigentlichen Motorblock viel Raum zur Verfügung stand. Die Techniker nutzten ihn um unmittelbar vor dem Block die Batterie unterzubringen; somit lag diese an einer sehr gut zugänglichen Stelle. Üblicherweise wurde sie in einem Gehäuse im Kotflügel oder unter dem Fussraum des Beifahrers untergebracht. Die Kühlung erfolgte mittels Zentrifugal-Wasserpumpe und thermostat-gesteuerten Kühlerlamellen in der Frontmaske. Der Ventilator für die Kühlung war an einem frei stehenden Podest angebracht, das seinerseits am Getriebegehäuse befestigt war.
In seinem letzten Modelljahr 1932 erhielt der L-29 einen um 1/8 Zoll aufgebohrten Motor; aus nun 3,375 x 4,5 in ergaben sich 332 ci. Die Leistung blieb bei 125 bhp, nun bei 3400 U/min.
Es gab ein manuelles, unsynchronisiertes Dreiganggetriebe. Der Schalthebel ragte mittig waagerecht aus dem Armaturenbrett heraus. Die Gänge wurden zunächst über ein Gestänge eingelegt, bei später gebauten Fahrzeugen erfolgte die Betätigung elektropneumatisch.
Ungewöhnlich am Fahrgestell war, dass die Längsträger nur vorne (nach oben und nach innen) gekröpft waren, nach hinten liefen sie gerade. Dadurch ließen sich beide Sitzbänke auf das gleiche Niveau setzen und es ergab sich hinten mehr Kopffreiheit. Das Fahrzeug hatte vorne auf jeder Seite zwei übereinander liegende Viertelelliptik-Blattfedern. Dazwischen war ein hydraulischer Stossdämpfer angeordnet. Hinten gab es konventionelle Halbelliptik-Blattfedern an welcher eine einfach konstruierte Hinterachse aufgehängt war. Natürlich konnte die Karosserie niedriger gebaut werden, weil es unter dem Boden keine Kardanwelle gab. Der Prototyp war denn auch nur 1607 mm hoch, gut 25 cm weniger als ein konventioneller Wagen aus dieser Zeit.
Der L-29 hatte hydraulische Vierradbremsen. Die vorderen Trommeln hatten einen Durchmesser von 30.5 cm (12 Zoll), die hinteren von 38.1 cm (15 Zoll). Die Handremse wirkte mechanisch auf die hinteren Bremsen.
Der Cord L-29 war das erste serienmäßig hergestellte Auto mit Frontantrieb....

Studie von 1929 Cord L-29 Collapsible Sedan Werkzeichnung.