
Liebe Gemeinde,
das heutige Türchen öffnet sich für den zweiten Teil der Dodge Story.
Wir haben das Unternehmen 1915 verlassen, gerade als der erste Dodge vorgestellt wurde. Als Geschäftsführer des Automobilbereichs wurde bereits 1912 der Ingenieur Frederick A. Haynes (nicht verwandt mit den Herstellern des Haynes-Apperson) von Franklin geholt.

Das Rezept des Modells 30-35 erwies sich als derart erfolgreich, dass daran in den nächsten Jahren wenig verändert werden musste. Ford tat das ja auch nicht – und andere wirklich ernstzunehmende Konkurrenz war (noch) nicht auf dem Markt etabliert.
1916 gab es so wenig Neues, dass sich die Historiker nicht einmal darüber einig sind, ob das nicht ein verlängertes Modelljahr 1915 war. Sogar die Preise blieben gleich. Angeboten wurden beide Versionen auch mit dem “Rex Winter Top” (vgl. 1. Dezember) zu je $ 950. Dodge verkaufte 71'600 Autos.
Am 1. November 1916 heirateten Henry Fords Sohn Edsel und Eleanor Lowthian Clay (1896–1976), eine Nichte des Warenhaus-Besitzers Joseph Lowthian Hudson (1846–1912), der die Hudson Motor Car Company finanziert und ihr den Namen gegeben hatte. Unter den Hochzeitsgästen waren auch die Dodge-Brüder. Was zu diesem Zeitpunkt keiner wusste: John Francis und Horace Elgin hatten am gleichen Tag ihrem Anwalt den Auftrag zu einer Millionenklage gegen Henry gegeben. Entsprechend teilten sich beide Ereignisse die Schlagzeilen des nächsten Tages...
Das kam so: Den Dodges ging es eigentlich blendend. Einerseits liefen die eigenen Geschäfte wie geschmiert, andererseits verdienten sie als Ford-Aktionäre am Erfolg des Modells T kräftig mit – jedenfalls bis 1915, als Henry Ford trotz sehr gutem Geschäftsgang keine Dividenden mehr bezahlen und seine Teilhaber loswerden wollte (“Blutegel” nannte er sie, vergessend, dass es ohne ihr Kapital niemals eine Ford Motor Company gegeben hätte). Die Klage der Dodges ging um Dividendennachzahlung. Ford hatte argumentiert, dass mit diesen Mitteln ein Konkurrenzbetrieb finanziert würde. Damit drang er natürlich nicht durch und unterlag in zwei Instanzen, zuletzt vor dem Michigan State Superior Court. Der Prozess kostete ihn 20 Mio $...
Im gleichen Jahr kam es zum ersten motorisierten Kampfeinsatz der US-Truppen (der erste überhaupt ist belegt für 1902, als britische Truppen Napiers im Burenkrieg einsetzten).
Auslöser waren die fortgesetzten Überfälle des mexikanischen Revolutions-Generals Francisco “Panco” Villa (1878-1923) aus US-Territorium, insbesondere auf die Garnison der 13. US Kavallerie in Columbus NM. Dabei kamen über 100 Angreifer, aber auch (je nach Quelle) 20-24 US-Bürger ums Leben; gemäss US-Armee davon 10 Zivilisten. Die USA reagierten mit einer Strafexpedition nach Mexiko, welche beinahe zum Krieg führten. Wer sich für die ziemlich komplizierten Zusammenhänge interessiert, dem seien die Wikipedia-Artikel Pancho Villa und Mexikanische Expedition zur Lektüre empfohlen. Es ging jedenfalls nicht nur um diese Überfälle, sondern auch um handfeste wirtschaftliche Interessen; Es wurde befürchtet, dass Villa als Revolutionär Eigentum von US-Firmen verstaatlichen wollte.

US-General John Joseph Pershing (1860–1948) (Wikipedia)

Francisco "Pancho" Villa (1878-1923): General, Guerrillero, Outlaw, Volksheld, Politiker, Revolutionär.
(Wikipedia)
Das Oberkommando hatte General John Joseph „Black Jack“ Pershing (dem 1917 das Kommando der US-Streitkräfte im Ersten Weltkrieg anvertraut wurde). Leutnant George S. Patton, im 2. Weltkrieg einer der bekanntesten US-Offiziere, führte am 14. Mai 1916 einen Trupp mit 10 Soldaten des 6. Infanterieregiments und zwei zivilen Scouts mit drei Dodge-Touring zu einer bewaffneten Aufklärung. Beim Angriff kamen Julio Cárdenas (einer von villas Unterführern) und zwei seiner Leibewächter ums Leben. Pershing war von der Leistungsfähigkeit der Dodge-Wagen so beeindruckt, dass er gleich 150 Stück davon für die Armee bestellte.
Kleine Ironie der Geschichte: Pancho Villa wurde mit Leibwachen 1923 in seinem Privatwagen ermordet – einem Dodge...


Der Dodge, in dem Pancho Villa 1923 erschossen wurde (Wikipedia / Ar-chief)
1917 erschien mit dem Model 30 ein nur in Details veränderter Wagen. Der Radstand wuchs um 4 Zoll auf 114 (2896 mm), die Technik blieb bis auf eine neue Mehrscheibenkupplung unverändert. Neu waren ein “C/D 2-door Sedan” und ein zweisitziges Coupé, ausserdem wurden auf Bestellung Limousinen mit Separation gebaut. Die Preise stiegen auf $ 835 ohne und $ 1000 mit Winter Top; die geschlossenen Versionen kosteten je $ 1265. Dodge verkaufte 90'000 Autos.
Im folgenden Jahr erschienen erneut fast identische Fahrzeuge. Die Preise stiegen auf $ 985 resp. $ 1150 mit Hardtop. C/D und Coupé kosteten nun $ 1425.




1918 Dodge Model 30 Touring (conceptcarz)
Anfang Januar 1920 reiste John Dodge nach New York zum Automobilsalon (der erst ab Ende der Zwanzigerjahre im Herbst durchgeführt wurde). John erkältete sich, bekam eine Lungenentzündung und starb am 14. Januar in seinem Zimmer im Hotel Ritz Carlton - eines der Millionen Opfer derSpanischen Grippe. Der Bau seines gerade begonnenen Wohnsitzes Meadow Brook Hall wurde erst 20 Jahre später fertiggestellt. Bis vor kurzem war er Durchführungsort eines der angesehensen Concours d'Elegance der USA.
Horace war praktisch ständig anwesend. Einige Monate später, am 10. Dezember 1920, verstarb auch er. Wohlwollende Stimmen meinten, er habe sich am Krankenbett seines Bruders angesteckt. Angesichts des zeitlichen Abstands und den Trinkgewohnheiten der Brüder scheint eine Leberzirrhose nicht ausgeschlossen. In Verbindung mit Kummer...
Die beiden Witwen entschlossen sich, das Unternehmen weiter zu führen. Zum Geschäftsführer wurde Frederick Haynes berufen.