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US-Ambulanzen

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chief tin cloud
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US-Ambulanzen

Beitrag #1 von chief tin cloud » 10.11.2011, 12:12

Es ist kein Problem, Fotos von Bestattungswagen aus allen Epochen zu finden. Viel schwieriger ist es, Ambulanzen aus der Vorkriegszeit zu finden.

Oft waren die Hersteller von in den USA „Professional Cars“ genannten Bestattungswagen auch für Krankenfahrzeuge und oft sogar für Limousinen mit langem Radstand eingerichtet. Henney aus Rosemont z. B. lieferte den „bubble car“ für Präsident Eisenhower, ein gestreckter 50er Lincoln Paradewagen mit Plexi-„Haube“.

Eine frühe Ambulanz habe ich doch noch gefunden, gebaut von einem der renommiertesten Hersteller von Bestattungswagen:




Um welchen PW es sich hier handelt lässt sich nicht erkennen. Die Aufnahme ist mit 1929 datiert. Der Ambulanz-Aufbau ist von Cunningham für die Firma Cook Funeral Home in Austin, TX (Ar-Chief)





1937 Henney-Packard One-Twenty Ambulanz (Northland Chapter, Professional Car Society)







1953 Pontiac Ambulanz von ACME (Northland Chapter, Professional Car Society)


Sedan-Ambulanz:

Entwickelt für kleinere Gemeinden mit wenig finanziellen Möglichkeiten: Sedan-Ambulanz




1952 DeSoto McClintock Sedambulance (Ar-Chief)


Wer sich für amerikanische Ambulanzen und Bestattungsfahrzeuge interessiert sollte diese Seite auf keinen Fall übergehen:
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Beitrag #2 von chief tin cloud » 10.11.2011, 12:48

Heute widmen wir uns den Ambulanzen in einem besonders schwierigen Umfeld: Dem in der Armee.





1936 Packard One-Twenty Rescue Vehicle. Reihen-8-Zylinder, 282 ci, 120 HP. (PAC Packard Automobile Club)


Während der deutschen Luftangriffe auf London 1940 wurden viele zu Ambulanzen umgebaute PW als Rescue Vehicles eingesetzt. Oft waren US-Importe deren Basis weil sie besonders massiv gebaut waren und über starke Motoren verfügten. Die meisten US-Hersteller hatten überdies aktive Vertretungen in GB, etliche produzierten auch dort.


Eine „reguläre“ Ambulanz aus dem WW2:







1941 Henney-Packard Super Eight 160 Ambulance der US Air Force. 8 Zylinder in Reihe, 356 ci, 160 HP, auf dem längsten erhältlichen Packard-Chassis (Radstand 148 Zoll) (Ar-Chief)


Das „Arbeitstier“ der US Army im 2. Weltkrieg war aber zweifellos der Dodge T214-WC54 ¾-Tonner. Chassis und Kabine wurden in einem neuen Werk an der Mound Road in Detroit hergestellt wobei die Struktur des Fahrerhauses vom zivilen Truck übernommen wurde. Das ergab eine eigentümliche Mischung von runden, zivilen mit kantigen, militärischen Elementen.


Die Fahrzeuge gingen dann zur Komplettierung an die Vertragslieferanten der Armee. Kontrakte für spezialisierte Aufbauten erhielten die American Coach & Body Co. (Cleveland OH; Trucks für Notreparaturen im Feld), die Edward G. Budd Mfg. Co. (Detroit MI; Transporter und Aufklärer), Gar Wood Industries (Detroit MI; Kipper), Highway Trailer Co. (Edgerton WI; Telefon-Installationsfahrzeuge), Proctor-Keefe Body Co. (Detroit MI; Mannschaftstransporter) und Wayne Works (Richmond IN; Ambulanzen). Letztere interessieren hier natürlich besonders.





Auslieferungslager für Dodge WC-54 Ambulanzen in Detroit im August 1942 (Wikipedia)



Die bei Wayne karossierten WC54 waren die am meisten verbreitete Ambulanz der aliierten Streitkräfte im 2. Weltkrieg. Die Firma hatte 1837 als Metallgiesserei angefangen (Öfen und Haushaltgeräte), war seit den 1870er Jahren im Geschäft mit Kutschen und Karosserien und hatte ab ca. 1906 sogar ein eigenes Auto gebaut, den Richmond mit luftgekühlten 2- und später 4-Zylindermotoren. 1910-17 gab es wassergekühlte 4- und 6-Zylinder, die auch als Herff-Brooks verkauft wurden.


Später verlegte man das Tätigkeitsfeld auf Aufbauten für Nutzfahrzeuge und Busse. Wayne war zeitweilig der grösste Hersteller von Schulbussen in den USA. Verwendet wurden meist GMC-, Ford- und Repuplic-Chassis.





1942 Dodge WC-54 Ambulance (restauriert) des British Royal Army Medical Corps (old-dodge-trucks.co.uk)


Die Auslieferung der Dodge WC54 Ambulanz an die Truppe begann im Mai 1942. Üblicherweise wurde das Rolling Chassis angeliefert. Alle Teile bis zur A-Säule wurden bereits von Dodge montiert. Eine Schweissnaht oberhalb der Frontscheibe zeigt die Stelle an ab der Wayne-Karosserien angefügt wurden. Ab Oktober 1942 erfolgte eine Standardisierung der Produktion. Verbesserungen flossen laufend ein, etwa ein Benzineinfüllstutzen der besser geeignet war für die Auffüllung ab Kanister. Die Wayne-Ambulanzen sind die einzigen WC54 mit einem Ausstellfenster in den vorderen Türen; alle anderen Versionen hatten dieses Detail nicht obwohl die Türen untereinander kompatibel sind. Je nach Ausführung gab es 1 oder 2 Reserveräder in eingelassenen Öffnungen direkt hinter den Türen. Im rechten vorderen Kotflügel war eine Aussparung für Benzinkanister. Zur Ausrüstung gehörten meist ein Suchlicht mit Pistolengriff, ein aussen angebrachter Werkzeugsatz für Pioniere und manchmal eine Sirene auf dem linken und ein Rotlicht auf dem rechten Kotflügel.


Der Patiententeil war von hinten zugänglich über eine Doppelflügeltür unter der ein wegklappbarer Tritt montiert war. Es gab ausserdem einen Durchgang von der Fahrerkabine. Die Ausstattung umfasste eine starke Belüftung (Öffnung im Dach), längs waren hinten Bänke für ambulante Patienten angebracht. Auf Schulterhöhe darüber war auf jeder Seite eine Halterung für eine Krankentrage angebracht.





Innenraum einer WC54 Ambulanz von 1943 (coachbuilt)


Wurden die Bänke weggeklappt liess dies Raum für weitere 2 Tragen auf dem Boden. In grosszüger Auslegung der Haager Landkriegsordnung wurden einige dieser Fahrzeuge mit Peitschenantennen und starken Funkanlagen ausgestattet und als kombinierte Ambulanz / Funkwagen verwendet.


Die Produktion des Dodge T214 ¾ ton trucks (militärisch WC54) lief bis 1945. Bis dahin wurden 255’173 Stück gebaut. Ohne recherchiert zu haben meine ich, dass eine zivile Produktion als Dodge Power Wagon folgte. Die Ambulanz-Version von Wayne allerdings lief bereits im April 1944, nach gebauten 22,857 Einheiten, aus. Damit waren knapp 10% der WC54-Produktion Wayne-Ambulanzen.


Neben dem US Army Medical Corps verwendeten auch das British Royal Army Medical Corps und die FFL (freie französische Kräfte unter de Gaulle) diese Ambulanzen. Nach dem Krieg stiess die Armee zahlreiche überzählige Fahrzeuge ab (so kam die Schweizer Armee zu ihren Jeeps). Wayne-Ambulanzen taten noch bis in die 60er Jahre Dienst in Belgien, Frankreich, Griechenland, den Niederlanden, Norwegen und Österreich.






1942 Dodge WC54 Ambulanz (restauriert). Vielleicht kann jemand das harmonische Miteinander des US-Star und der französischen Tricolore erklären. Die FFL (Forces françaises libres verwendeten das Lothringer-Kreuz in der Fahne zur Unterscheidung vom Vichy-Regime.





Fahne der FFL 1940-44 (Wikipedia)



Wayne baute während des Krieges ausserdem mobile Werkstätten, Armee-Busse (keine Überraschung!) und Semi-Trailer zur Personenbeförderung. Diese Auflieger konnten bis 150 Personen aufnehmen und dienten oft als Werks-Busse.

Einen sehr interessanter Link zu aliierten WW2-Fahrzeugen gibt es hier.






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